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Wie Streit Nähe zerstört – und warum Versöhnung oft nicht gelingt

  • Gabriele Scheuss
  • 12. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Streit gehört zu jeder Beziehung – und doch bleibt nach manchen Auseinandersetzungen etwas Greifbares zurück: nicht einfach der Konflikt, sondern eine leise Distanz. Zwei Menschen lieben sich, kommunizieren wieder – und dennoch ist die Vertrautheit verschwunden. Diese Erfahrung ist schwierig, denn sie trifft mitten ins Herz: „Was ist mit uns passiert?“


Warum Nähe nach einem Streit oft nicht wiederkommt


Am Anfang steht meist ein konkretes Thema: Geld, Kinder, Eifersucht, Gehirnwäsche durch den Alltag … Doch selten ist eben dieses Thema die eigentliche Ursache. Viel häufiger handelt es sich um:

  • die Angst vor Verletzlichkeit

  • das alte Gefühl, nicht ausreichend gesehen oder geschützt gewesen zu sein

  • das Lernen: Nähe kann Schmerz bedeuten

    Wenn wir streiten, geraten diese tiefen Mechanismen ins Spiel. Und während die Worte verhallen, bleibt das Gefühl bestehen: Ich darf nicht mehr so sein wie vorher. Ich darf nicht mehr sein.



Die Mechanik der ungelösten Konflikte


  1. Spannung entsteht

    Ein Konflikt zeigt sich – laut oder leise. Emotionen laufen hoch; oft fühlen sich beide Partner verletzt, unverstanden, ungerecht behandelt.

  2. Versuch zur Lösung

    Worte werden gewechselt. Vielleicht eine Entschuldigung. Vielleicht ein Versprechen. Doch häufig fehlt: echtes Hinhören.

  3. Nach dem Sturm

    Der Streit ist vorbei – aber etwas hat sich verändert. Einer oder beide ziehen sich zurück. Nähe fühlt sich nicht mehr sicher an.

  4. Stille Distanz

    Gespräche laufen wieder. Alltag kehrt zurück. Doch das Gefühl von Verbundenheit fehlt. Man lebt nebeneinander. Irgendwo.



Warum klassische Versöhnung oft nicht reicht


„Sorry“ sagen oder „Lass uns neu anfangen“ reicht nicht, wenn das verletzte Innerste unberührt bleibt. Versöhnung ist keine glatte Rückkehr in den alten Zustand, sondern ein Neuaushandeln von Sicherheit, Vertrauen und Verbindung – auf einer Ebene, die Fühlen erlaubt.

Wenn einer oder beide sagen: „Ich bin okay mit dem, was war“, obwohl der Schmerz weiter wirkt, entsteht keine echte Verbindung – sondern nur Ruhe vor dem nächsten Sturm.



Drei Wege zur echten Rückkehr zur Nähe


  • Bewusstwerden: Erkenne, was Dich im Streit getroffen hat – nicht nur das Thema, sondern das dahinterliegende Gefühl / Erlebnis.

  • Angebot zur Verbindung statt zur Verteidigung: Wenn ihr nach dem Streit zusammenkommt, geht es nicht darum, Recht zu behalten, sondern sich gemeinsam verletzlich zu zeigen.

  • Neue Gewohnheit zur Verbindung einführen: Ein Ritual – eine regelmäßige kleine Handlung oder ein gemeinsames Gespräch – kann helfen, die Sicherheit in der Nähe neu zu etablieren.



Dein nächster Schritt


Wenn Ihr Euch das Kennen / Fühlen nicht mehr zutraut – ist das kein Zeichen von Versagen, sondern von Verletzung. In meiner Coaching-Praxis begleite ich Paare genau dort: nach dem Streit, wenn alles gesagt ist, aber nichts ausgesprochen scheint. Gemeinsam erarbeiten wir einen Weg zurück in echte Nähe.

 
 
 

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